Im frühen 18. Jahrhundert etablierte sich als neue, die gesellschaftlichen Standesgrenzen durchbrechend die Freimaurerei zunächst in England. Auf den Kontinent überspringend wurde die Freimaurerei auch Trägerin der Aufklärung und in vielfältigen Formen eine Modeerscheinung in der eurozentrischen Welt. Seit der Französischen Revolution wird die Freimaurerei fixer Bestandteil von Verschwörungstheorien, die ähnlich dem Antisemitismus auf negativen Reaktionen christlicher Kirchen aufbauen. Der Antimodernismus der Katholischen Kirche des 19. Jahrhunderts schafft jenes Klima, das antidemokratische, revisionistische Kräfte nach dem Ersten Weltkrieg nutzen, um die „Freimaurer“ und die „Juden“ als Urheber allen Übels und als Zerstörer der „Nation“ anzugreifen, um sie schließlich zu vernichten. Liest man Freimaurerei als Ausdruck liberaler und bürgerlicher Haltung, kann die Präsenz von Antifreimaurerei (Antimasonismus) als politisches Kalkül ähnlich dem Antisemitismus zum Gradmesser demokratischen Verständnisses werden.